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Bericht aus der Heilbronner stimme vom 4. Dezember 2009

Veröffentlicht von () am 05.12.2009
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Bericht aus der heilbronner stimme vom 4. Dezember 2009

 

Dominik Britsch hat den nötigen Respekt
Quelle HSt, 4. Dezember 2009, von Lars Müller-Appenzeller
 

 
  Seine Rüstung ist der WM-Gürtel, seine Waffe die Faust: 
  Dominik Britsch verteidigt am Samstagabend seinen
  IBF-Junioren-Titel
  
          So sehen gespannte Eltern aus:
          Sabine und Jürgen Britsch
 

 

Beim Boxen braucht es Geduld. Man muss auf den richtigen Moment für einen Schlag, aber auch auf den großen Kampf warten können. Gestern Mittag musste das Team von Sauerland-Event mit Trainer Ulli Wegner, WBO-Weltmeister Marco Huck und IBF-Junioren-Weltmeister Dominik Britsch bei der Pressekonferenz warten. 25 Minuten lang. Weil das Fernsehteam der ARD im Stau steckte. Für Dominik Britsch hat sich das Warten gelohnt. Der 22 Jahre alte Neckarsulmer kassierte vor laufenden Kameras von seinem Trainer ein dickes Lob. Das tut gut vor einem wichtigen Kampf. Am Samstagabend (ab 18 Uhr) verteidigen Britsch und Huck in der Arena Ludwigsburg ihre Titel.
 
Worte mit Gewicht
 
Ulli Wegner nahm sich Zeit für das Kompliment. Das 67 Jahre alte Box-Unikat redet nicht wenig und auch sehr gerne. Aber seine Worte haben immer Gewicht. Er sagt: "Dominik ist in unserer Gruppe taktisch der beste Mann." Das war natürlich ein Volltreffer. Mit Gruppe meint der Stettiner freilich nicht das Grüppchen mit Huck und Francesco Pianeta, das in udwigsburg in den Ring steigen wird. "Nein", sagt Dominik Britsch, "er meint schon die ganze Gruppe." Den ganzen Sauerland-Boxstall. So "ein Riesenlob" (Britsch) tue gut, ja. Aber der Mittelgewichtler bleibt auf dem Ring-Boden. Aus dem Lächeln ist ein wachsamer Blick geworden: "Von der K.o.-Quote her habe ich noch nie gegen einen so guten Mann geboxt wir am Samstag."

Gute K.o.-Quote

Der Samstag, darum geht es. Britsch bekommt es im sechsten der neun Kämpfe des Abends mit Cleber Argente Alves zu tun, einem Brasilianer. Sieben seiner neun Kämpfe hat der 23 Jahre alte Herausforderer gewonnen, sechs davon durch K.o. Ursprünglich sollte es der Unterländer Sportler der Jahre 2008 und 2007 mit einem Argentinier zu tun bekommen. Britsch: "Auf den hatte ich mich mental schon eingestellt. Aber ein guter Boxer muss sich in kurzer Zeit umstellen können." Videomaterial habe er von Alves auch nicht gesehen. "Ich werde auf Sicherheit gehen", sagt der Titelverteidiger, "ihn zwei Runden lang studieren, eine Taktik festlegen und dann mein Konzept runter boxen." Der Kampf ist auf zehn Runden angesetzt.

Ulli Wegner war nicht immer mit der Taktik des jungen Mannes einverstanden, der 2006 zu ihm nach Berlin gekommen war. Der Abiturient wollte zu gerne mit dem Kopf durch die Wand, seine Stärke zeigen. Schon oft ist aber ein überlegener Boxer doch noch K.o. gegangen. Deshalb bevorzugt Wegner ein unspektakuläres, aber erfolgreiches Konzept. Es hat bei Dominik Britsch bisher in allen 16 Kämpfen (fünf K.o.-Siege) bestens funktioniert. So soll es bleiben.
 
 
Gut gelaunt in die letzte Phase vor dem Wettkampf: Weltmeister Marco Huck (von links), Trainer Ulli Wegner und Junior Dominik Britsch haben gestern mit der Pressekonferenz 25 Minuten warten müssen - weil das Kamerateam der ARD im Stau steckte.

Auch am 14. April 2007 in Stuttgart war alles wie am Schnürchen gelaufen. Es war Britschs fünfter Profikampf. Karlheinz Scheibe hatte keine Chance. In der Porsche-Arena ließ sich Schüler Britsch während des Kampfes zu einem Gruß an sein Publikum hinreißen. Wegner war sauer. "Das kam spontan. Das darf mir diesmal vor so vielen meiner Fans nicht noch einmal passieren", sagt Dominik Britsch. Am Dienstag sagte Wegner dazu: "Normalerweise macht er so etwas ja nicht. Aber solche Sachen müssen passen. Mimik gehört bei unserem Sport dazu, du musst dich verkaufen." Dominik Britsch ist von diesen Worten überrascht, sagt, er habe seinen Trainer bei diesem Thema aber ganz anders in Erinnerung.

Gestern nannte Ulli Wegner seinen Junioren-Weltmeister einen "kleinen Pfiffikus, mit dem man gerne trainiert". Jetzt grinst Dominik Britsch wieder. "Ich foppe den Trainer im Sparring schon mal." So ist das beim Boxen, man braucht Geduld. Für den entscheidenden Schlag - und einen Gruß oder auch einen Spaß zur rechten Zeit.
 

Zuversichtlicher Huck

Besser spät als nie: Am Samstag will sich Herausforderer Ola Afolabi (USA/29) in Ludwigsburg seinen großen Traum erfüllen und als WBO-Weltmeister im Cruisergewicht den Ring verlassen. Auf der Pressekonferenz im Schloss Ludwigsburg spuckte er große Töne: „Marco Huck ist nur Weltmeister, weil er noch nicht gegen mich geboxt hat.“ Der Weltmeister, Kampfname Käpt’n Huck, nahm die Äußerungen seines Gegners gelassen zur Kenntnis. „Ich bin mir sicher, dass ich meinen Gürtel verteidigen werde“, so der 25-Jährige. „Ich habe hart mit meinem Trainer gearbeitet, Herr Wegner hat mich hart rangenommen. Ich bin mit dem Kopf voll bei der Sache und für Samstag gerüstet.“ Ulli Wegner sagt: „Wir sind uns bewusst, dass es eine ganz schwere Aufgabe wird, aber wir wollen und wir werden diesen Kampf siegreich gestalten.“
 
Wolfgang Riepe

 

Zuletzt geändert am: 26.12.2009 um 11:47

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