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Boxring oder Klassenzimmer? Ein Bericht über Hakan Kutdag.

Veröffentlicht von () am 26.08.2010
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Boxring oder Klassenzimmer? Ein Bericht über unseren Hakan Kutdag.
 
Von "Blick vom Fernsehturm"
 
Boxen Der Hohenheimer Student Hakan Kutdag ist deutscher Hochschul-Vizemeister und plant seine Zukunft. Von Harald Landwehr
 
Gegensätzlicher könnten die Berufsperspektiven für Hakan Kutdag kaum aussehen. In den kommenden zwei Jahren soll sich entscheiden, womit der derzeitige Student der Wirtschaftspädagogik an der Universität Hohenheim, nach der Ausbildung sein Geld verdienen wird: als Lehrer vor einer Schulklasse oder als Berufsboxer. Talent bringt der 22-jährige Unterländer aus Bad Friedrichshall für beides mit, als Pädagoge und als Kämpfer im Ring.
 
Bei den deutschen Hochschulmeisterschaften der Boxer in Freiburg belegte er in diesem Jahr in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm den zweiten Platz. Dennoch sagt Kutdag: "Eine Karriere als Boxprofi ist ziemlich unrealistisch. Ich glaube eher an eine Berufslaufbahn als Lehrer an einem Wirtschaftsgymnasium." In seiner sportlichen Disziplin ist Kutdag eine Ausnahmeerscheinung. Denn: Im Lager der Amateurboxer gibt es nur eine Handvoll Studenten. Die Mehrzahl der Faustkämpfer hat ihre berufliche Heimat in klassischen Handwerksberufen. Entsprechend gering war die Zahl der angemeldeten Teilnehmer bei den nationalen Hochschulmeisterschaften in Südbaden. Gerade einmal vier Starter hatten sich im Leichtgewicht, der Klasse bis 60 Kilogramm, für das Turnier angemeldet. Dass am Ende nicht Kutdag, sondern der Rheinland-Pfälzer Ivan Freidenberg ganz oben auf dem Treppchen stand, fuchst den türkischstämmigen, gebürtigen Bad Friedrichhaller daher ungemein: "Es wäre nicht schwierig gewesen, den Titel zu holen. Ich war der beste Boxer in meiner Gewichtsklasse - aber ich habe im Finale die erste Runde komplett verschlafen", sagt der Sportler der Neckarsulmer Sportunion, der sich nach einer Punktniederlage mit Silber zufrieden geben musste. Im kommenden Jahr will Kutdag Revanche nehmen.
 
Beim Titel des deutschen Studentenmeisters allein soll es 2011 freilich nicht bleiben. Der angehende Wirtschaftspädagoge aus Hohenheim hat noch größere Ziele: In gut 14 Monaten will der Boxer, der erst vor vier Jahren vom Fußball zu seiner heutigen Sportart wechselte, erstmals an einer deutschen Meisterschaft der Amateure teilnehmen. "Leider schickt der Verband meist nur den Landesmeister, und ich war auch bei den Württembergischen diesmal nur Zweiter", sagt Kutdag. Dass er die Fähigkeiten hat, um nicht nur bei nationalen Turnieren, sondern auch im internationalen Vergleich irgendwann vorne mitmischen zu können, davon ist der 22-Jährige überzeugt: "Mir fehlen noch die Erfahrung und die taktische Disziplin, aber technisch bringe ich alle Voraussetzungen mit", sagt der nur 1,69 Meter große Kämpfer.
 
Für den Durchbruch nach lediglich vier Jahren im Boxsport fehle eigentlich nicht viel, glaubt der Student. In Jürgen Britsch hat er bei seinem Neckarsulmer Club einen der besten Trainer in ganz Deutschland. Britsch war einst selbst einer der besten Amateure in der Republik. Sein Sohn Dominik ist Junioren-Weltmeister und einer der besten Freunde von Hakan Kutdag. Dass auch für Kutdag selbst, wie für seinen Neckarsulmer Kumpel aus dem bekannten Sauerland-Boxstall oder sein Vorbild, den Puerto-Ricanischen Weltmeister Miguel Cotto, eine Profikarriere möglich ist, davon ist der Wahl-Hohenheimer überzeugt: "Ich muss in den nächsten ein, zwei Jahren die wichtigen Kämpfe gewinnen und auch Glück haben und die richtigen Leute aus der Profiszene kennenlernen." Dann sei unter Umständen auch der Zugriff auf die großen Kampfbörsen möglich.
 
Realistisch betrachtet sei jedoch im Moment nach dem Ende seines Studiums der Wechsel ins Lehrerfach. Oder anders ausgedrückt: Klassenzimmer statt den großen Sporthallen dieser Welt. "Ich habe kein Problem damit, wenn ich in den nächsten 40 Jahren an einem Wirtschaftsgymnasium BWL unterrichten sollte. Das macht mir genauso viel Spaß", sagt Kutdag. Den nächsten Schritt in Richtung Profikarriere kann der Kämpfer aus dem Unterland mit weiteren Siegen im November bei einem großen Boxturnier machen, direkt vor seiner Haustüre in Neckarsulm.

Zuletzt geändert am: 17.10.2010 um 12:46

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